Initiative für mehr Verkehrssicherheit in Hessen

Wissenschaft, Praxis und Lehre gehen Hand in Hand - Reallabore und Zwischenlösungen für eine bessere Verkehrssicherheit

Die Europäische Union hat im Jahr 2019 einen Politikrahmen für die Straßenverkehrssicherheit von 2021 bis 2030 – Nächste Schritte auf dem Weg zur „Vision Null Straßenverkehrstote“ vorgelegt. Sie hat ihr ambitioniertes langfristiges Ziel bekräftigt, bis zum Jahr 2050 so weit wie möglich an die Zahl von Null Straßenverkehrstoten heranzurücken („Vision Zero“). Die EU baut auf nationalen Initiativen auf und bezieht alle Faktoren ein, die bei Unfällen eine Rolle spielen: Infrastruktur, Fahrzeugsicherheit, Verhalten der am Verkehr Teilnehmenden und Notfallmaßnahmen.

In Deutschland wurde im Juni 2021 das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgelegte Verkehrssicherheitsprogramm für die Jahre 2021 bis 2030 beschlossen. In Verbindung mit dem „Pakt für Verkehrssicherheit“ hat der Bund mit Ländern und Kommunen das Ziel von 40 Prozent weniger Getöteten im Straßenverkehr zwischen 2021 und 2030 verabschiedet. Auch die Anzahl der Schwerverletzten soll deutlich zurückgehen. Hessen hat in 2022 seine Verkehrssicherheitsstrategie bis 2035 vorgelegt und vertieft die Ansätze des Bundes.

Zwar hat sich die Sicherheit im Straßenverkehr in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert, doch die Anzahl der schweren Personenschäden ist immer noch zu hoch. Zudem ist die Anzahl der tödlich verunglückten und schwerverletzten Radfahrenden erschreckend gestiegen. Von 2014 (erstmalig mit Pedelecs) bis 2022 erhöhte sich die Anzahl der Getöteten im Fuß- und Radverkehr innerorts und außerorts um rund 20 Prozent. Der Anteil der Schwerverletzten mit dem Fahrrad stieg außerorts sogar um fast 40 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Anzahl der Fahrräder in Deutschland um 17 Prozent, im Wesentlichen geprägt durch inzwischen 11 Millionen Pedelecs. Bislang hat sich vorwiegend in den Großstädten die Infrastruktur zugunsten des Fuß- und Radverkehrs verbessert. Nach wie vor fehlen oft Mut und Pragmatismus für Veränderungen, um eine sichere und barrierefreie Teilnahme von Fußverkehr und Radverkehr im Straßenverkehr zu ermöglichen. Größere Anstrengungen sind unumgänglich, um die Ziele auf dem Weg zur Vision Zero zu erreichen und alle Verkehrsteilnehmenden bestmöglich zu schützen.

Die gemeinsame Initiative für mehr Verkehrssicherheit in Hessen soll die Aus- und Weiterbildung in der Verkehrssicherheitsarbeit unterstützen. Das Wissen aus den Regelwerken wird um aktuelle Forschungsergebnisse ergänzt. Neue Handlungsansätze sollen Impulse für Veränderungen geben. Das diesjährige Symposium mit dem Motto „Reallabore und Zwischenlösungen für eine bessere Verkehrssicherheit“ möchte Innovationen zur Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit in der konkreten Umsetzung aufzeigen. Sie könnten auch einen leichteren Einstieg in Veränderungen ermöglichen.